Dienstag, 1. April 2025

über das Sammeln ...

Mitte Februar 2025 wurde uns Aufruf des August Kestner-Museums in Hannover auf Instagram weitergeleitet, der sich an Sammler*innen richtete ...



Sofort stand für uns damals fest, dass wir uns dort bewerben sollten.


Wolfgang wollte seine Dinosaurier in Dioramen vorstellen, und ich wollte mich mit meiner erzgebirgischen Figuren-Sammlung bewerben. Aber natürlich hätten wir dem Museum noch einige andere Sammlungen anbieten können...


Typisch SchneiderHein schickten wir unsere Mails jedoch erst zum Anmeldeschluß los. 

Wolfgang verschickte seine Bilder und den Text bereits am Mittag:


Sehr geehrte Damen und Herren,

 

für Ihr Ausstellungsprojekt „Sammler in Hannover“ bewerbe ich mich mit meiner Sammlung von Dinosaurierfiguren, vom Spielzeug der 70er, über gefiederte Dinos aus dem 3D-Drucker bis zu limitierten Sammlerstücken für „die ewigen Kinder“ der "Kidults". 

 

Natürlich liegen die Anfänge dieser Leidenschaft in meiner Kindheit mit dem ersten „Was ist Was“-Buch und einfachen Chinafiguren im Blisterpack. Ich hatte ein erstes Zwischenhoch mit Beginn der „Jurassic Park“ Filmreihe Mitte der 90er und seit 2012 ist das Fieber wieder umso heftiger ausgebrochen. Inzwischen drängen sich ca. 1.500 Modelle in den vollgestopften Ikea-Regalen oder schlummern in diversen Kartongebirgen. 

 

Wie die Bilder zeigen, werden die Figuren nicht ständig „schön“ präsentiert und es gibt in der Regel auch mehrere Modelle der gleichen Art, um Herden und Gruppen darstellen zu können. Deshalb sind die Höhepunkte für „einen ewigen Sammler“ die Zusammenstellung sorgfältig ausgewählter Figuren in großen Dioramen. Diese Landschaften der Urzeit sollen dabei einen möglichst hohen Grad der aktuellen, wissenschaftlich akkuraten Darstellung von Flora und Fauna erreichen. So gehören inzwischen auch zahlreiche Pflanzen und Bäume zur Sammlung. Damit die Figuren perfekt zusammenpassen, werden viele entsprechend neu bemalt. (Auch wenn das die Sammler von „gefühlt exorbitanten Werten“ in den Originalzuständen heftig graust. Aber die Sammlung sollte leben.) Diese Urzeit-Aufbauten können aus Platzgründen immer nur temporär sein, werden aber mit Fotos und Videos dokumentiert. Mit diesen Fotos wird immer wieder der fast jährliche „Diorama Foto Wettbewerb“ im weltweit aktiven „Dinosaur Toy Forum“ bestückt. So erfolgreich, dass einige Dioramen schon fünf Mal als Sieger hervorgingen. 

 

Weitere Beispiele werden im eigenen Blog und auf YouTube gezeigt:

https://heinwerken.blogspot.com


https://www.youtube.com/playlist?list=PLmBFN61qAkcCyUciWc2uBLoPfM58Yb1xv


https://www.instagram.com/p/CzQn0WIh_1K/

 

Zur Sammlung gehören - nicht verwunderlich - auch ca. fünf laufenden Regalmeter mit Dino-Literatur vom Kinderbuch bis zum Fachbuch für Studierende der Paläontologie und ein größerer Stapel DVDs für das Hintergrundwissen. Da die Modelle von Dinosauriern selten über mehrere Jahre im Handel verfügbar sind und manche limitierte Sammlerstücke sehr, sehr schnell vergriffen sind, zwingt die Frage, was gesammelt werden sollte, immer wieder zu schnellen Entscheidungen mit begrenzter Haltbarkeit. So entwickelt sich die Sammlung ständig, die Schwerpunkte verschieben sich und neuere Modelle ersetzen bei einem wissenschaftlichen Anspruch immer wieder die bislang gültigen. Und der Fundus der „aus der Zeit gefallenen“ Modelle wächst zwangsläufig.

 

Dadurch zeichnen die Modelle aber auch den Fortschritt der wissenschaftlicher Erkenntnis nach und zeigen auch, dass das jeweils aktuelle Dinosaurierbild genauso verschiedenen Moden unterworfen ist. Unser Dinosaurierbild war und ist immer auch ein kulturelles Konstrukt, in das unsere jeweilige Weltsicht einfließt (Das gilt z. B. für den Dualismus im kalten Krieg, den nuklearen Winter, kooperatives Vorgehen, weibliche Intelligenz, Familienleben und den Klimawandel.) Auch das kann man an diesem Spielzeug für große und kleine Kinder anschaulich zeigen. Und es wäre natürlich ein Thema für eine „kuratierte“ Museumsvitrine.

 

Ich würde mich freuen, wenn dieses Angebot Ihr Interesse findet und wenn sich daraus ein Kontakt ergibt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Hein



Hier die "fünf Bewerbungsbilder":


Auf den Brettern, die die Urwelt bedeuten...Dabei sind die Figuren mehr geparkt und nicht als Sammlung schön präsentiert.


Hier entsteht die Urzeit Stück für Stück im fast gebremsten Chaos. Der Arbeitsplatz zum Pinseln, Basteln und Kleben. 


Das zweite Dino-Regal, die Fächer dicht an dicht gestellt. Die Protagonisten sammeln sich schon in der richtigen Zeit und Formation, müssen aber noch auf ihren großen Auftritt warten.

Die bei Ebay nachgekaufte Kindheit: So sah mein erstes Figuren-Set mit Chinasauriern von Woolworth in den 70ern aus. Die beiden Dinos außerhalb des Blisterpacks sind da schon viel moderner.

Dafür wird gesammelt: Das Diorama zur Wüste Gobi vor 66 Millionen Jahren.

Auftritt der Sauropoden in Hell Creek in New Mexiko vor 66 Millionen Jahren.



 Und ich tat mich bis fast 18 Uhr noch schwer. Doch dann war auch meine Mail endlich fertig:



Liebes Museums-Team,

für Ihr Projekt „Sammlungen von Hannoveraner*innen“ würde ich Ihnen gerne meine Sammlung erzgebirgischer Figuren vorstellen.

Schon als Kind hatte ich in den 60ern die Möglichkeit in der Weihnachtszeit mit Engeln, Räuchermänner, Rehen - der ‚Bückware‘ aus der DDR, und später zu Ostern mit den Hasen von Esco zu spielen. Später sammelten sich dank meiner Mutter in Adventskalendern über die Jahre einige KWO-Orchesterengel an. Und jedes Jahr wartete ich in den 70ern ganz ungeduldig auf die große Weihnachtsausstellung bei Karstadt und wollte mir immer wieder die Schaufenster kleiner Läden mit den verschiedenen Blumenkindern oder Engeln ansehen. Das Taschengeld wurde später sogar für eine dreistöckige Pyramide von Glässer gespart, und nach und nach erweiterte ich dann das Blank Kurzrock-Engel-Orchester meiner Mutter. Mir wurde die Liebe zu den kleinen Figuren quasi in die Wiege gelegt …

Meine Leidenschaft für die klassischen erzgebirgischen Figuren konnte mein damaliger Freund (und späterer Ehemann) Mitte der 80ern zwar nicht teilen, aber die damals im Käthe Wohlfahrt-Hütte auf dem Weihnachtsmarkt angebotenen Baumanhänger mit Weihnachtsmann auf Walfisch, einem auf Küken reitendem Engel, einem Schneemann im Luftschiff oder dem Weihnachts-Kängeruh konnten uns beide begeistern, so dass plötzlich auch davon eine kleine Sammlung „schräges Erzgebirge“ entstand.

Im Februar 2008 habe ich dann ‚leider’ das Ebay-Erzgebirge entdeckt, und schon bald ersteigerte ich vieles von dem, was ich bis dahin nur hinter Glas in Schaufenstern bewundern konnte. So waren es anfangs die Margeriten- und Elfpunkte-Engel sowie Blumenkinder von Wendt & Kühn - mit einer besonderen Vorliebe für die älteren Figuren bis Ende der 60er. Doch schon bald gesellten sich auch andere Firmen mit ihrem Weihnachts- und Oster-Sortiment dazu.

Und da die saisonalen Figuren nicht nur in Vitrinen zur Schau gestellt werden sollten - sondern ich kleine Szenen bevorzuge - werden sie seit einigen Jahren je nach Jahreszeit in Schaukästen bzw. einem großen Rahmen, auf Tabletts, in einigen alten Tisch-Kaufmannsläden, in Wald- und Stadt-Szenen oder mit einem beleuchteten Schwibbogen im Hintergrund dekoriert. Daher hat sich neben Räuchermännern, Pyramiden und Schneemännern auch ein reichhaltiges Sortiment an verschiedenen Bäumen, geschnitzten Tieren sowie Baum- und Strauch-Behang angesammelt.

Einen großen Teil meiner Sammlung erzgebirgischer Figuren nehmen zwar alte und neue Figuren von Wendt & Kühn ein, aber im Laufe der Jahre haben sich auch viele andere Firmen dazu gesellt: 

KWO (Engel, Blumen-, Winter- + Laternenkinder, Hasen); Blank (lasierte Falten-Kurzrock-Engel, Blumenkinder und Hasen), Helbig (Tiere, Kinder und Märchenthemen), Dittmann (Engel und Tiere), Klemm & Ellmann (Blumenkinder und Schneemänner), Esco (Hasen), Leichsenring (Hasen), Schumann (Engel und Lampionkinder), Dietze (Pinguine); Reichel (Schutzengel, Kurrende und Hasen), Flade (Sommer- und Winterkinder und Engel), Uhlig (Hühner), Romy Thiel (in Naturholz: Winterkinder, Marktstände mit Kindern, Waldarbeiter, Bergmannskapelle), Martin (Möwen, Austernfischer, Pinguine, Eulen); Erzi (Hasen und Maulwürfe), Seiffener Volkskunst (Wichtel, Schafe, Rehe); Ulmik (Krippenfiguren).

Einen kleinen Eindruck meiner Oster-Sammlungen vermitteln neben den Fotos die beiden Videos meiner Erzi-Hasen und der Esco-Sammlung:



Es gäbe in unserem Haushalt noch einige Schätze zu entdecken: Aber all' die Puppenstuben und Bungalows, Puppenmöbel im 50er Mief oder Designer-Chic, perfekt modern ausgestatteten Künstler-Teddybären und Deb Canham Mini-Mäuse mit eigenem Fuhrpark und Rosenmontagszug aus den gemeinsamen Sammlungen mit meinem Mann würden hier zu weit führen.

Mit freundlichen Grüßen
Silke Schneider

Und diese 6 Bilder vergangener Zeiten fügten wir meiner Mail bei:

Weihnachtsfiguren aus Kindertagen im ersten gemeinsamen Kaufmannsladen.


Geschnitzte Helbig-Figuren im Linus Dähnert Zisch-Kaufmannsladen.


Romy Thiel Kinder auf dem Weihnachtsmarkt.


Flade-Engel auf Bilderrahmen.


Wendt & Kühn Blumenkinder mit Lampions.

Wendt & Kühn Maiglöckchen-Mädchen aus verschiedenen Jahrzehnten.

Fotos:SchneiderHein


2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Was für ein tolles Projekt ! Liebe Silke, dass deine Sammlung an Erzgebirgsfiguren zu allen Jahreszeiten sehr groß ist, war auf den Posts oft zu erahnen und auch in den Videos vom letzten Jahr. Aber dass auch Wolfgangs Dinosammlung sooo umfangreich ist, wow … und dann eben eure Sammlungen zu den vielen „Heldenwelten“ , den Abenteuern mit den Bären und den Mäusen, immer passend zum Anlass gekleidet, immer in perfekt ausgestatter Kulisse mit so vielen Requisiten und so schönen Details !
Es wäre echt großartig, wenn wenigstens Teile eurer Sammlungen und Schätze auch mal im real life in einem Museum zu bewundern wären und wenn ich die Story auf FB richtig gelesen habe, ist da schon ein Anfang gemacht !? Ich halt euch fest die Daumen, dass sich da mehr entwickelt ! Herzliche Grüße, Manu

Anonym hat gesagt…

Liebe Manu,
Du hast die Stories richtig gedeutet. Eine Vitrine mit drei Etagen steht seit gestern gegen 16 Uhr fertig bestückt im Museum. Und morgen um 16 Uhr werden die Räumlichleiten nach einer längeren Umbauphase wieder geöffnet ...
Da es bei dem Konzept darum geht in diesen eintrittsfreien Bereich alt und jung zum Mitmachen ins Museum zu locken, wird inzwischen davon ausgegangen, dass die Vitrinenscheiben jeden Tag geputzt werden müssen. Denn nicht nur ich drückte mir als Kind die Nase an den Fensterscheiben der Läden mit erzgebirgischen Figuren platt. Bei der unteren Hasenwelt, dem Mischwald mit Märchenfiguren und oben den Pinguinen und Schneemännern, wird das sicherlich auch passieren.
Gestern, als nach der 2. Aufbau-Etappe endlich alles fertig dekoriert war, setze ich mich staunend und glücklich grinsend davor, und konnte es kaum fassen, was für Wimmelbilder wir da gemeinsam inszeniert hatten.
Doch da ich durch zu viel Kaffeekonsum der letzten Tage teils zittrige Hände hatte, und meine Arme für den hinteren Bereich der Vitrine eh' viel zu kurz waren, hat Wolfgang - nach dem gemeinsamen Probeaufbau auf unserem Sideboard - die Dekoration der Vitrine übernommen. Ein Wahnsinn, was er da teilweise für ein ruhiges Händchen hat!

Die Fotos von den Einzelszenen und vielleicht jurze Videos kommen jedoch später. Denn gestern war die Schiebetür schon installiert, und hinter Glas sind die Spiegelungen der Fenster etc für Aufnamen zu extrem. Daher werden wir nach der Ausstellungs-Eröffnung hoffentlich bald einen Termin zum Fotografieren und Filmen machen können, wo der Hintergrund ruhiger ist und die Vitrinentür fehlt.
Aber wie Du selbst festgestellt hast, ist zumindest ein Teil davon in dem Esco-Video zu erahnen. Und bis Ostern werde ich vielleicht noch das ein oder andere österliche zeigen, das Zuhause geblieben ist. Denn es wartet noch so viel auf einen passenden Auftritt ;-)
Liebe Abendgrüße von Wolfgang & Silke